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"Es war 5 vor 12!" - der neue Coach Matthias Schmid im Gespräch


Altbekannt und doch alles neu. So oder so ähnlich lassen sich die Begleitumstände, mit denen der neue Trainer Matthias Schmid ins Ellental gewechselt ist, wohl am besten umschreiben. In unserem Gespräch gibt Schmid Einblicke in seine Arbeit, seine Ziele und erklärt, weshalb der Verein sich zu diesen einschneidenden Änderungen gezwungen sah.


Matthias, herzlich willkommen in Bietigheim oder soll ich lieber sagen: Willkommen Zuhause?


MS: Ja, erstmal vielen Dank! Natürlich ist Germania ein Stück weit sportliche Heimat für mich. Ich habe hier elf Jahre gespielt und bin hier aufgewachsen, ich habe daher den Club nie aus den Augen verloren und die Entwicklung immer verfolgt !

 

Was waren neben Bietigheim deine früheren Stationen als aktiver Spieler und wie kamst du so früh bereits zu deinem ersten Trainerjob?


Neben einem kurzen Gastspiel in Gemmrigheim war ich noch fünf Jahre beim FV Löchgau und sechs Jahre beim GSV Pleidelsheim. Als Matteo Battista als Trainer beim GSV aufgehört hat, war ich 30 und hatte große Lust auf die Aufgabe. Mir war dabei wichtig, dass die Mannschaft hinter meiner Berufung stand, sonst hätte ich es nicht gemacht.


Auffallend dabei war, dass du von Beginn an darauf verzichtet hast, als Spielertrainer zu fungieren.


Nun, Spielertrainer ist immer so eine Sache. In meinen Augen macht das nur Sinn, wenn der Trainer dann als Spieler konstant herausragt. Und so gut war ich als Spieler nicht, um diese Anforderung zu erfüllen. Zudem hatten wir einen klasse Kader mit Spielern wie Autenrieth und Haiber die in meine Rolle hineingewachsen sind und super gespielt haben. Deswegen habe ich von Anfang an gesagt: "Spielertrainer kommt für mich nicht in Frage!"
 

Wie würdest du den Trainer Matthias Schmid charakterisieren? Auf welche Dinge legst du wert?


Ich bin sehr anspruchsvoll, fordere von meinem Team immer das Maximale! Wenn wir Zeit und Energie in eine Aufgabe stecken, muss ich von Jedem erwarten können, dass er zu 100% bei der Sache ist! Mir ist es wichtig, dass die Jungs vor allem eins haben - Spass an der Sache! Großen Wert lege ich auch darauf, dass ich jedem Spieler das Gefühl gebe, dass er wichtig ist, wo er steht und wie er seine Ziele erreichen kann. Und auch wenn es abgedroschen klingt, mir ist der Teamgedanke sehr wichtig.


In Pleidelsheim spieltest du mit deiner Mannschaft bis zuletzt um den Aufstieg in die Landesliga mit. Weshalb kam es dennoch zur vorzeitigen Trennung?


Es hatten sich viele Dinge aufgestaut. Am Ende war es einfach eine Frage der Perspektive und des Umfelds. Ich möchte die Sache aber jetzt auch ruhen lassen.


War es für dich dann schnell klar zu den Germanen zu gehen?


Mir war eigentlich schon seit Jahren klar, dass ich mal bei den Germanen was machen möchte. Die Idee hatte ich sogar schon als Spieler. Ich kenne die Verantwortlichen, habe persönliche Bindung zu dem Club und verfolgte mit Wehmut die Entwicklung der letzten Jahre. Es war 5 vor 12, daher sah ich den Zeitpunkt nun gekommen. Wir wurden uns dann schnell einig, und das Ergebnis können wir jetzt mit dem tollen Kader präsentieren.


Dein Wechsel hierher erregte ja bekanntlich einiges Aufsehen. Immerhin bringst du neben einem Trainer- und Betreuerteam auch eine komplett neue Mannschaft mit. Hört sich nach einem Rund-um-Sorglos-Paket an...


In der heutigen Zeit hört man von vielen Vereinen, dass es vor allem an ehrenamtlichen Helfern fehlt. Nach Gesprächen mit Hans-Jürgen Röcker und Sascha Hodzic waren die beiden relativ schnell überzeugt von meiner Idee mit Germania und dem Vorhaben generell. Je mehr an der Sache arbeiten, desto besser. Wir haben jetzt ein klasse Team von Funktionären, mit dem wir Einiges bewegen können. Vor allem freut es mich, dass wir mit Daniel Marbach und meinem Bruder zwei weitere ehemalige Germanenspieler mit an Bord haben. Das wiederum, gab auch den Spielern ein Gefühl von Aufbruchstimmung und trug letztlich dazu bei, dass wir so eine gute Mannschaft zusammenstellen konnten.


Weshalb war ein derart massiver Umbruch deiner Meinung nach nötig? Schließlich steht kein einziger Spieler der Vorsaison mehr im aktuellen Kader.


Es fehlte an Identifikation der Spieler mit dem Club, die Verantwortlichen bemängelten fehlendes Interesse am Verein und keinerlei Vereinsleben. Ein Schnitt gibt allen die Gelegenheit, von Null anzufangen. Hätten wir jetzt nur punktuell etwas verändert, wäre eine so große Anzahl von guten Spielern gar nicht gekommen.


Das neue Team ist fast ausschließlich mit Spielern besetzt, die mindestens schon mal in der Bezirksliga gespielt haben. Wie konnten sie dennoch für die Kreisliga gewonnen werden?


Die Perspektive macht es! Viele Spieler sehen hier in Bietigheim eher die Möglichkeit mittelfristig höher zu kommen, wie in manch einem Bezirksligaverein, einfach weil die Bedingungen viel besser sind! Dazu kommt noch, dass ein grosser Teil der Spieler auch privat miteinander befreundet ist und die Jungs weiter zusammenspielen möchten, ob jetzt in der Kreis- oder Bezirksliga spielt für die Jungs eher eine nebensächliche Rolle. Und letztlich haben Sie es ja selbst in der Hand die sportliche Situation wieder zu verbessern.


Damit ist klar, wo es nächste Saison hingehen soll. Was sind deine langfristigen Ziele mit den Germanen?


Ja, natürlich kann ich mit so einem Kader nicht sagen: "Wir wollen in der Kreisliga oben mitspielen!" Unser aller Anspruch ist der Aufstieg! Das Ziel ist die Bezirksliga, da gehört der Verein hin und langfristig streben wir mit Sicherheit auch an, in der Bezirksliga eine gewichtige Rolle einzunehmen. Aber eins nach dem anderen, die nächste Saison wird kein Selbstläufer. Uns wird nichts geschenkt werden, wir werden uns alles hart erarbeiten müssen, und das werden wir auch tun.


Trotz zweier deutlich höherklassig spielenden Vereine in Bietigheim haben die Germanen für dich also durchaus noch Zukunft?


Der SV Germania Bietigheim ist ein 103 Jahre alter Traditionsverein, und man hat mich geholt, damit noch ein paar weitere Jahre hinzukommen!


Das hört sich vielversprechend an. Vielen Dank für das offene Gespräch und viel Erfolg in der neuen Saison.


Vielen Dank, dafür werden wir arbeiten!