Deutsch
Sprache: 
 

"das Weber jetzt wieder auf dem Feld steht hat mich wahnsinnig gefreut !"

Die Saison ist zu Ende, Zeit für ein Gespräch mit dem neuen sportlichen Leiter Alexander Schmid der Hans-Jürgen Röcker ersetzt, der beruflich bedingt den Posten nicht so ausüben konnte wie er es sich gewünscht hatte. 
 
Hallo Alex, erstmal herzlichen Glückwunsch zur Wahl, was hat Dich dazu bewogen den Posten anzutreten und verliert das Team dadurch seinen Co-Trainer ?
 
AS: Vielen Dank für die Blumen. Mir war durch die Übernahme des Amtes vor allem wichtig, ein Zeichen für die Mitglieder zu setzen; zu zeigen, dass wir langfristig bei der Germania bleiben und etwas aufbauen wollen. Es war verständlich, dass vereinzelt Skepsis im Verein über die jüngsten Entwicklungen herrschte. Getreu dem Motto: "So schnell wie die Mannschaft und die sportliche Führung in den Verein gekommen sind, genau so schnell können die auch wieder weg sein." Diese Bedenken wollte ich durch meine Wahl ausräumen. Und was den Co-Trainer betrifft, ist es mir wichtig, auch weiterhin nah an der Mannschaft dran zu bleiben. Das dies beruflich bedingt nicht immer im gewünschten Maße möglich, ist eben leider so. Aber so lange das für den Trainer ok ist, bleibe ich gerne dabei.
 
Wie sieht Dein Aufgabenbereich und Deine Zusammenarbeit mit Manager Hodzic in den nächsten Jahren aus ?
 
AS: Natürlich sind die Schnittmengen in den Aufgaben zwischen unserem Team-Manager und mir hoch. Beispielsweise werden wir in der Kaderplanung und in den Gesprächen mit den Spielern zusammen mit dem Trainer tätig sein. Aber ich sehe meine Aufgabe vor allem auch im strategischen Bereich, der über die I. Mannschaft hinausgeht und in repräsentativen Aufgaben.
 
Für was steht der neue sportliche Leiter, wie sieht Deine Planung in den nächsten Jahren aus, wo soll der Verein hin ?
 
AS: Mir geht es vor allem darum mitzuhelfen, den Verein sportlich wieder auf solide, gesunde Füße zu stellen. Dazu gehört, neben dem Aushängeschild I. Mannschaft, auch eine ambitionierte II. Mannschaft und ein Jugendbereich, der regelmäßig Talente in den Aktivenbereich übergibt.
 
Kommen wir zur vergangenen Saison, wie hast Du die Saison als Co-Trainer erlebt, war es letztlich einfach aufzusteigen ?
 
AS: Wenn man die nackten Zahlen betrachtet, war es tatsächlich eine überlegen gestaltete Saison. Immerhin war nur ein Kreisliga A III-Meister in den letzten 12 Jahren erfolgreicher als wir. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Mannschaft ihre Überlegenheit das eine oder andere Mal noch konsequenter ausgespielt hätte. Wirklich dominante Auftritte, wie beim 9:0-Heimsieg gegen Besigheim, hat es meines Erachtens zu wenige gegeben. 
 
Welche Spieler haben Dich in dieser Saison überzeugt bzw. überrascht ?
 
AS: Klar haben Leistungsträger, wie Norman Röcker, Martin Maier, Patrick Kraut, Marcel Autenrieth oder Alexander Haiber den Erfolg maßgeblich geprägt. Mein persönlicher Spieler des Jahres ist jedoch, und da bin ich mit dem Trainer voll einer Meinung, Marc Seifert. Sein Laufpensum und seine positive Zweikampfbilanz sind unfassbar. Ich freue mich auch für Marcel Weber, den viele schon als Sportinvaliden abgeschrieben hatten und der diese Saison sich aber wieder eindrucksvoll zurückgekämpft hat. Oder Patrick Müller - er hat sich nochmals persönlich weiterentwickelt, ist wesentlich ballsicherer und konzentrierter geworden. Auch an Achim Früh, unserem schweigsamen Youngster, werden wir noch viel Freude haben. Er wurde zwar durch durch eine Verletzung zurückgeworfen, aber er kam dennoch auf eine beachtliche Torquote. Niemand anderes benötigt so wenige Chancen für ein Tor wie er.
 
In der neuen Saison wird die Mannschaft nur punktuell verstärkt, warum geht man jetzt nicht in die vollen und greift mit ein paar richtigen "Krachern" richtig vorne an ?
 
AS: Auch wenn viele Außenstehende das nicht glauben werden können: Das entspräche einfach nicht unserer Vorstellung von langfristig erfolgreichem Fußball. Der harte und beispiellose personelle Einschnitt im letzten Jahr war richtig, weil unbedingt notwendig, damit die Germania sportlich nochmals das Ruder herumreißen konnte. Es war die letzte Chance eines möglichen Befreiungsschlages. Diese Maßnahme wird in dieser Dimension jedoch einmalig bleiben. Es geht uns nicht darum, um jeden Preis hochkarätige Neuzugänge zu verpflichten, sondern vielmehr darum, unsere Top-Mannschaft zu halten und langfristig an den Verein zu binden. Klar, wird es immer wieder einzelne neue Gesichter geben, aber das werden dann keine über 30-jährige Spieler mit Erfahrung aus weitaus höherklassigen Ligen sein, die ihr Karriereende sich nochmals vergolden lassen wollen. Wir schauen nach jungen, ambitionierten Perspektivspielern, die auch charakterlich zu 100% zu uns passen. Und im besten Fall werden Neuzugänge mittelfristig auch wieder aus der eigenen Jugend kommen.   
 
Du hast selbst in den 90gern im Dress der Germanen gespielt, welche Erinnerungen hast Du an die Zeit ?
 
AS: Das war - sportlich gesehen - eine ganz andere Zeit. Da hat sich in den letzten Jahren in der Trainingsarbeit und auch im taktischen Bereich vieles in die richtige Richtung entwickelt. Auch steht heute der technische Fußball viel mehr im Vordergrund als früher. Zu meiner Zeit ging es noch viel öfter darum, den Gegner niederzukämpfen als ihn mit spielerischen Mitteln zu bezwingen. Aber es gibt auch einige Parallelen. So wurden wir auch damals schon von den Gegnern als der vermeintlich reiche Club aus der Stadt betrachtet, was bei Auswärtsspielen meist das halbe Dorf mobilisierte. Da wurde dir von übermotivierten Zuschauern bei einem Sprint entlang der Außenlinie schon mal ein Schirm in den Laufweg gehalten (grinst schelmisch)
 
Als Dich Dein Bruder vor über einem Jahr von seinem Vorhaben unterrichtet hat, was hast Du Dir gedacht ?
 
AS: Da ich mir natürlich einbilde, ihn recht gut zu kennen, war ich nicht wirklich überrascht, zumal ich seine Gedankenspiele schon länger kannte. Was mir dabei insbesondere imponiert ist, dass es ihm nie darum geht, einfach nur eine Mannschaft so gut wie möglich zu trainieren. Ihm ist immer die Gesamtentwicklung des Vereins wichtig; den Verein insgesamt auf allen Ebenen vorwärts zu bringen. Damit geht sein Anspruch weit über die normalen Zielsetzungen eines Trainers hinaus, und das ist, glaube ich, auch ein wesentliches Geheimnis seines Erfolgs.
 
Hättest du in der heutigen Mannschaft auch eine Chance zu spielen?

AS: Um ganz ehrlich zu sein, würde ich mich als Spieler wohl dort wieder finden, wo ich jetzt als Co-Trainer auch schon bin: ...auf der Bank!!! Wenn ich mich mit den heutigen Spielern auf meiner früheren Position, wie Erkan Olgun oder Marcel Weber vergleiche, dann sind diese Jungs doch um einiges technisch versierter, wenngleich ich beim Führen der Vorderleute bzw. der Mannschaft insgesamt mich mehr eingebracht hätte. Das kommt mir insgesamt in unserer Mannschaft noch zu kurz. 
 
Jetzt seit ihr also in der Bezirksliga, wie ist die Planung und Zielsetzung für die neue Saison und die kommenden Jahre ?
 
AS: Wir wollen in der Bezirksliga im vorderen Drittel mitspielen, nicht mehr und nicht weniger. Wenn mehr dabei heraus kommt, nehmen wir das gerne mit, aber wir müssen nicht auf Teufel komm raus gleich wieder um den Aufstieg mitspielen. Das sieht auch der Verein so, und das finde ich klasse! Uns stecken keine finanzkräftigen Sponsoren im Nacken, die jedes Jahr eine erneute Meisterschaft fordern. Wir könnten auch problemlos über die Runden kommen, wenn wir die nächsten 5 Jahre Bezirksliga spielen würden. Aber sicher wollen wir mittelfristig auch mal schauen, ob wir in der Landesliga mithalten können.
 
Welche Rolle können die Neuzugänge Linder, Torres und Felger in der neuen Saison spielen ?
 
AS: Ich verspreche mir von den Jungs, dass sie den Konkurrenzkampf anheizen und sich dadurch die Mannschaft insgesamt hoffentlich nochmals steigern kann. Ich freue auf alle neuen Gesichter und bin mir sicher, dass alle sich sehr schnell integrieren werden, wie bereits unser 4. Neuzugang, Gökan Olgun, es schon erfahren durfte. Eine große Umstellung für die Neuen wird wohl sein, dass es bei uns kaum Stammplätze im klassischen Sinne gibt, was bedeutet, dass man sich daran gewöhnen muss, das eine oder andere Spiel nicht von Beginn an mit dabei zu sein. Ein weiteren und damit letzten Neuzugang werden wir im Laufe der Woche offiziell vorstellen, auch bei ihm waren wir froh das es geklappt hat.
 
Wer wird das sein ?
 
AS: Da müssen Sie sich noch ein paar Tage gedulden, auf jeden Fall passt auch er hervorragend ins Team und ist ein perspektivischer Neuzugang, den wir in den nächsten Jahren formen möchten eine tragende Rolle im Team zu übernehmen.

Wir danken für das Gespräch !
 
AS: Ich habe zu danken.